Über die Behandlung

Die Vitale Pulpatherapie gehört zur Endodontie, also der Behandlung von Erkrankungen des Zahninneren, bzw. der Zahnwurzeln.

Die Pulpa, auch Zahnmark genannt, ist ein Weichteilgewebe das im Inneren des Zahnes und der Zahnwurzeln liegt und Nerven, Blut- und Lymphgefäße und Zellen enthält.

Die Pulpa ist quasi das „Leben“ des Zahnes, sie vitalisiert ihn und produziert lebenslang Dentin (das ist der Großteil der Zahnsubstanz), das den Zahn stärker macht, widerstandsfähig erhält und regeneriert. Das Zahnmark ist außerdem unverzichtbar für die Entwicklung und das Wachstum des Zahnes bei Jungtieren.

Wenn die Pulpa freigelegt oder beschädigt wird ist das wie eine offene „Eintrittspforte“ für Bakterien und das kann zu Infektionen, Abszessen und starken Schmerzen führen, außerdem können Entzündungen auf Zahnfleisch und Kieferknochen übergreifen und der Zahn in weiterer Folge absterben.

In den meisten Fällen kommt es zu einer Schädigung der Pulpa, wenn der Zahn bricht oder wenn er zu sehr abgerieben wird, wie z.B. durch regelmäßiges Herumbeißen auf Tennisbällen, Steinen oder Metall. Das kann allerdings auch „gewollt“ sein, wenn bei jungen Tieren mit Zahn- oder Kieferfehlstellungen eine Kronenkürzung (siehe Fehlbisse) mit anschließender Vitaler Pulpatherapie durchgeführt wird.

Um zu verhindern, dass der Zahn abstirbt und um den Zahn und seine Pulpa zu erhalten kann in manchen Fällen eine Vitale Pulpatherapie (auch Vitalamputation) durchgeführt werden. Ob das möglich und sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – z.B. welcher Zahn betroffen ist oder wie alt das Tier ist.

Am wichtigsten ist es die Fangzähne (auch Eckzähne oder Canini) bzw. beim Hund auch die Reißzähne zu erhalten. Und auch bei jungen Tieren sollte man versuchen den Zahn am Leben zu erhalten, damit er noch wachsen kann und so mögliche Zahn- oder Kieferfehlstellungen vermieden werden.

❗️ Wichtig: eine Vitale Pulpatherapie kann nur bis maximal 48 Stunden nach einer Schädigung des Zahnmarks durchgeführt werden, ansonsten ist es schon zu sehr beeinträchtigt und dann müssen als Alternative eine Zahnextraktion oder eine Wurzelkanalbehandlung erwogen werden.

So funktionierts:

Für alle endodontischen Eingriffe ist eine Narkose nötig – nur so kann sichergestellt werden, dass das Tier ruhig liegt, keine Schmerzen hat und die Maulhöhle für eine gute Sicht auf die betroffenen Zähne weit genug geöffnet werden kann.

Aber keine Sorge: Ihr Tier wird währenddessen von unserem tierärztlichen Personal überwacht und kann noch am gleichen Tag wieder nach Hause.

Der beschädigte Anteil der Pulpa wird mit eigenen zahnmedizinischen Instrumenten oder Laser entfernt, der verbliebene und gesunde Teil wird mit speziellen Medikamenten behandelt, um die Regeneration der Pulpa zu unterstützen und sie zur Bildung von neuem Zahnmaterial (Dentin) anzuregen.

Zum Abschluss wird der Zahn dann mit einem „biokompatiblen“ (also einem gut verträglichen) Material verschlossen, mehrfach versiegelt und dann noch poliert, damit er so hart und widerstandsfähig wie möglich ist.

Eine Vitalamputation ist in über 90% der Fälle erfolgreich, aber auch bei einem raschen Eingreifen erholt sich die Pulpa leider nicht immer – deshalb sind einige Nachkontrollen und Zahnröntgen nötig, um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen, bzw. rasch zu erkennen, falls die Pulpa doch abstirbt und eine alternative Zahnbehandlung nötig ist.

Endodontische Behandlungen sind spezialisierte und komplexe Verfahren und können nur von auf Zahnmedizin spezialisierten Tierärzt*innen durchgeführt werden.

Verfasser:

Monika Herold-Wagner