Über die Behandlung

Die Toxikologie befasst sich mit der Diagnose und Therapie von Vergiftungen, bzw. der Wirkung von Toxinen (Giften).

In den meisten Fällen erfolgt eine Intoxikation durch eine orale Aufnahme, also ein Abschlucken einer giftigen Substanz, aber es gibt auch Vergiftungen, die durch das Einatmen giftiger Stoffe ausgelöst werden, wie z.B. bei einer Rauchgasvergiftung oder durch Substanzen, die auf die Atemwege reizend wirken können (z.B. frische Lacke, Benzindämpfe oder chlorhältige Putzmittel, die starke Dämpfe entwickeln).

Durch direkten Kontakt mit giftigen Substanzen kann es auch zu einer Reizung oder Schädigung der Haut oder der Augen kommen (z.B. durch sehr saure oder sehr alkalische Chemikalien, die ätzend sein können). Achtung auch bei Duftlampen mit ätherischen Ölen – bei einer zu hohen Konzentration können sie sowohl die Atemwege als auch die Augen reizen.

❗️Auch beim Putzen des Fells können Toxine aufgenommen werden – z.B. Ascherückstände nach einem Brand oder Parasitenprophylaxemittel zum Auftropfen auf die Haut, die Permethrin enthalten – diese sind nur für Hunde geeignet, für Katzen ist Permethrin hochgiftig.

Die Identifikation des Giftes, dem ein Tier möglicherweise ausgesetzt war, ist für eine erfolgreiche Therapie natürlich unglaublich hilfreich, aber das ist oft schwierig und manchmal unmöglich – vor allem wenn das Tier Symptome entwickelt, die eine Vergiftung wahrscheinlich machen, aber niemand etwas beobachtet hat.

Hier sind eine gründliche Anamnese und klinische Untersuchung und initiale Untersuchungen wie Blutbild, Blutchemie und Harnuntersuchung umso wichtiger, damit rasch eine Therapie basierend auf einem begründeten Verdacht begonnen werden kann.

❗️Prinzipiell ist anzumerken, dass die Wirkung einer giftigen Substanz von der aufgenommenen Menge und dem Körpergewicht des Tieres abhängig ist.

Die Symptome können je nach Art der Vergiftung vielfältig sein:

  • Gastrointestinale Symptome wie Erbrechen, Durchfall oder Übelkeit
  • Neurologische Symptome wie Zittern (Tremor) oder Krämpfe
  • Respiratorische Symptome wie Husten oder Atemnot
  • Exzessives Speicheln: vor allem bei Aufnahme von Toxinen über die Maulschleimhaut
  • Okulare Symptome: tränende Augen, entzündete (rote) Augen und Lider oder geschwollene Lider

Häufige Vergiftungen von Hunden und Katzen:

  1. Schädlingsbekämpfungsmittel:
    1. Ratten- und Mäusegift (Rodentizide): enthalten meist Antikoagulantien, die zu Blutgerinnungsstörungen führen, aber auch andere Wirkstoffe in Schädlingsbekämpfungsmitteln wie Bromethalin, Alphachloralose oder Cholecalciferol, können Intoxikationen verursachen
    2. Schneckenkorn: enthält hochgiftiges Metaldehyd
  2. Schokolade: enthält die für Haustiere giftigen Wirkstoffe Theobromin und Koffein
  3. Xylitol (Birkenzucker)
  4. Pflanzen: Lilien, Weihnachtsstern, Palmfarne und viele andere
  5. Versehentliche Überdosis von verschriebenen Medikamenten, z.B. Schmerzmittel
  6. Paracetamol (Mexalen®, Nurofen®): hochgiftig für Katzen ❗️
  7. Verschreibungspflichtige Medikamente von Haushaltsmitgliedern:
    1. z.B. Psychopharmaka, Schilddrüsenmedikamente, Herzmedikamente, Medikamente bei Erkältungen die Pseudoephedrin enthalten, äußerliche Hormonersatzpräparate für Frauen (östrogenhaltige Cremes/Gele – das Abschlecken von Händen und Armen kann hier zu Vergiftungserscheinungen führen), bzw. Hautkrebstherapiepräparate zum Auftragen, die Fluorouracil enthalten, und viele mehr
  8. Frostschutzmittel (Ethylenglykol): ist z.B. in der Kühlflüssigkeit beim Auto, Scheibenwaschanlagen oder Enteisersprays enthalten und wird aufgrund seines süßlichen Geschmacks gerne aufgenommen - schon eine geringe Menge kann zu lebensbedrohlichen Nierenschädigungen führen

So funktionierts:

Ein gründliches und strukturiertes Vorgehen ist wichtig, um die Ursache der Erkrankung herauszufinden. Das beginnt mit einer genauen Anamnese und einer ausführlichen klinischen Untersuchung.

Bei der Anamnese stellen Ihnen unsere Tierärzt*innen Fragen zur Krankengeschichte des Tieres, zu Dauer und Art der Symptome, über etwaige Medikationen, bisherige Untersuchungen und Tests und vieles mehr.

Bei einem Verdacht auf eine Vergiftung werden viele Fragen gestellt, um mögliche Ursachen einzugrenzen. Dazu könnten z.B. diese gehören:

Wo waren Sie mit dem Tier in den letzten Stunden, ev. auch Tagen, unterwegs? War es eventuell auf einem Spaziergang unbeaufsichtigt? Was wurde gefüttert/gefressen? Bekommt das Tier Medikamente? Gibt es sonstige Medikamente im Haushalt, zu denen das Tier eventuell Zugang hatte? Verwenden Sie Hormoncremes oder eine äußerliche Chemotherapie, die es abgeschleckt haben könnte? Hat der Patient in letzter Zeit eine Ekto- oder Endoparasitenbehandlung erhalten? Haben Sie kürzlich Ratten- oder Mäusegift ausgebracht oder könnte es in der näheren Umgebung zu einer Anwendung gekommen sein? Hatte es Zugang zu giftigen Pflanzen, Kompost, Pestiziden oder Düngemitteln? Wurde in der Umgebung des Tieres etwas verändert (Bauarbeiten oder Renovierungen im Haus oder Garten, usw.?

Danach wird die klinische Untersuchung durchgeführt (Details siehe Allgemeine Untersuchung).

Unsere Tierärzt*innen werden dann die Ergebnisse der klinischen Untersuchung und mögliche Verdachtsdiagnosen mit Ihnen besprechen und ob, bzw. welche Therapie zielführend wäre oder ob weiterführende Untersuchungen oder Tests empfehlenswert sind.

Je nachdem welche Vergiftung vermutet wird sind eventuell diagnostische Verfahren wie eine Messung der Blutgerinnungsparameter (bei Verdacht auf gerinnungshemmende Gifte wie Rattengift) oder Röntgenaufnahmen nötig.

Ein Nachweis von Gift aus Mageninhalt, Urin, Blut oder Teilen des Körpers ist manchmal möglich – aber nicht immer. Die Proben müssen meist auf eine bestimmte Art gewonnen und gelagert werden, bzw. frisch sein und es ist auch nicht immer sinnvoll - es kann sehr lange dauern bis Ergebnisse vorliegen und diese Untersuchungen können auch sehr kostenintensiv sein.

Eine Therapie muss aber in jedem Fall rasch begonnen werden und basiert nicht selten nur auf einer Verdachtsdiagnose.

Verfasser:

Monika Herold-Wagner