Über die Behandlung

Die rekonstruktive Chirurgie ist ein Teilgebiet der Chirurgie, das sich mit der operativen Wiederherstellung der Form und Funktion von Geweben nach Unfällen oder Tumoroperationen, sowie der Korrektur von angeborenen Fehlbildungen befasst.

Durch Verletzungen oder auch nach Operationen, wie der Entfernung von großen Tumoren, kann es zu großflächigen Haut- und Gewebedefekten kommen, die chirurgisch korrigiert werden müssen. Es kann z.B. vorkommen, dass nicht mehr genügend Haut vorhanden ist, um die Wunde zu verschließen und Techniken aus der rekonstruktiven Chirurgie angewendet werden müssen.

In erster Linie geht es darum, die Funktion der betroffenen Körperteile wiederherzustellen oder durch große Gewebedefekte entstandene gesundheitliche Probleme zu verbessern – wenn etwa die Lider nicht mehr vollständig geschlossen werden können oder das Schlucken oder Atmen, bzw. Bewegungen des Brustkorbes, beeinträchtigt sind. Eine ästhetische Komponente, wie bei der plastischen Chirurgie beim Menschen, kann eventuell berücksichtigt werden, ist aber meistens zweitrangig.

Mögliche Einsatzbereiche der rekonstruktiven Chirurgie:

  • Großflächige Wunden: v.a. nach Verletzungen oder Unfällen, z.B. bei Verbrennungen, Bissverletzungen oder Schnittverletzungen
  • Tumorentfernungen: v.a. nach der Entfernung großer Tumore bei Krebspatienten kann es schwierig sein, die entstandene Wunde zu schließen
  • Angeborene Defekte: z.B. Gaumenspalten oder Deformierungen der Lippen oder der Lider
  • Exzessive Hautfalten: wenn überschüssige Haut zu chronischen Entzündungen oder Infektionen führt, kann eine Reduktion dieser Falten helfen (z.B. im Falle von Nasenfalten bei bestimmten Rassen oder einer „gedeckelten“ Vulva, bei der die Vulva bei weiblichen Hunden von überschüssiger Haut bedeckt wird)

So funktionierts:

Je nach Art des Gewebedefektes bzw. der Wunde wird von unserem chirurgischen Team ein individueller Plan erstellt, welche OP-Technik oder -methode am erfolgversprechendsten ist. Das können z.B. in manchen Fällen spannungsmindernde Techniken sein, die es ermöglichen mehr Haut zu mobilisieren und die Wunde so spannungsfrei wie möglich zu verschließen. Bei sehr großen Defekten müssen oft sehr komplexe und fortgeschrittene Techniken angewendet werden, für die erfahrene, bzw. speziell ausgebildete Chirurg*innen nötig sind. Dazu gehören z.B. Hautverschiebeplastiken, Hautlappenplastiken oder Transplantationen (von Haut, bzw. synthetischen Transplantaten).

Um das bestmögliche Ergebnis für unsere Patienten zu erzielen, setzen wir wann immer möglich auf einen multidisziplinären Zugang - das heißt, Expert*innen aus verschiedenen Bereichen arbeiten zusammen und erstellen einen individuellen Behandlungsplan. Bei der rekonstruktiven Chirurgie können das je nach Fall Chirurg*innen, Onkolog*innen oder Physiotherapeut*innen sein.

Für jede Operation sind Narkose und Schmerzmanagement unumgänglich (siehe Anästhesie und Schmerzmanagement). Aber keine Sorge – Ihr Haustier wird dabei natürlich von Anästhesist*innen und unserem erfahrenen tierärztlichen Personal überwacht. Im Normalfall können die Patienten am gleichen Tag noch nach Hause entlassen werden, nur in Ausnahmefällen kann es sein, dass eine stationäre Aufnahme über Nacht oder für einige Tage empfohlen wird. Das kann z.B. nach sehr großen und komplexen Operationen der Fall sein, bei denen die Patienten noch länger intensivmedizinisch überwacht werden müssen, bzw. wenn das Risiko für postoperative Komplikationen minimiert werden soll. Postoperative Komplikationen können z.B. Blutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen oder auch ein Aufbrechen der Nähte sein. Auch ein wirksames und individuell erstelltes Schmerzmanagement ist nach Operationen besonders wichtig – schmerzbedingtes Kratzen, Beißen oder Schlecken muss unbedingt vermieden werden.

Verfasser:

Monika Herold-Wagner