Über die Behandlung

Die HNO-Chirurgie befasst sich mit operativ behebbaren Erkrankungen im Kopf- und Halsbereich. Dazu gehören die oberen Atemwege (Nase, Nasennebenhöhlen, Maulhöhle, Rachen und Kehlkopf), die Ohren, die Speicheldrüsen, sowie Luftröhre, Speiseröhre, Schilddrüse und Nebenschilddrüsen. Die Behandlungsmethoden umfassen operative Eingriffe, Laserchirurgie, aber auch minimalinvasive Behandlungen mit dem Endoskop (siehe Endoskopie).

Häufige Einsatzbereiche der HNO-Chirurgie:

  • BOAS (Brachycephales Atemnotsyndrom): sogenannte „Multilevel“-Chirurgie, um möglichst alle Verengungen der Atemwege zu beheben (u.a. durch Erweiterung der Nasenlöcher und/oder Nebenhöhlen, Kürzung des Gaumensegels und Entfernung der Kehlkopftaschen); mehr Informationen siehe unten
  • Chronische Ohrentzündungen: chirurgische Eingriffe, um chronisch veränderte Teile des Gehörganges und des Mittelohres zu entfernen und Verengungen im Bereich des Gehörganges und der Bulla Tympanica zu korrigieren (z.B. mittels chirurgischer Techniken wie TECA oder Bullaosteotomie)
  • Andere Ohrerkrankungen: z.B. Entfernung von Polypen aus dem äußeren Gehörgang oder dem Mittelohr; Behandlung eines Othämatoms (Blutohr): Drainage und Behandlung von Blutansammlungen zwischen Haut und Knorpel der Pinna (Ohrmuschel)
  • Nase: Entfernung von Fremdkörpern mittels Endoskop, Entfernung von Polypen, diagnostische oder therapeutische Spülungen
  • Tumorerkrankungen: Entfernung von Tumoren im Bereich von Kopf, Hals oder Ohren
  • Larynxparalyse: chirurgische Erweiterung des Kehlkopfes bei Lähmungen der Kehlkopfmuskulatur

❗️BOAS (Brachycephales Atemnotsyndrom): bei den sogenannten brachycephalen (kurzköpfigen) Rassen kommt es aufgrund ihrer Zuchtmerkmale (kurze Nase und kurzer runder Kopf) zu Einengungen im Bereich der oberen Atemwege, die ihnen das Atmen massiv erschweren können. Häufig sind die Nasenlöcher und Nasennebenhöhlen verengt, das Gaumensegel ist zu lang und verdickt und der Kehlkopf verändert, außerdem kann der Durchmesser der Luftröhre zu klein sein. Durch diese Verengungen der Atemwege kann es vor allem bei Stress und hohen Temperaturen zu einer lebensbedrohlichen Atemnot kommen.

Zu den brachycephalen Rassen gehören z.B. der Mops, die Französische oder die Englische Bulldogge, bei den Katzen zählen die Perserkatze oder die Exotic Shorthair dazu.

Im Rahmen der BOAS-Chirurgie wird versucht alle Engstellen der oberen Atemwege zu beheben – je nach Ausmaß der Veränderungen können dazu mehrere Operationen nötig sein.

So funktionierts:

Meist sind im Vorfeld von Eingriffen im Hals-, Nasen- oder Ohrenbereich bildgebende diagnostische Methoden empfehlenswert, um das Ausmaß der Veränderungen beurteilen zu können und Operationen besser planen zu können. Dazu gehören vor allem bildgebende Methoden wie MRT und CT, aber bei manchen Erkrankungen der Luftröhre (Trachea) oder Schluckstörungen kann auch eine Fluoroskopie hilfreich sein. Die Fluoroskopie (auch Durchleuchtung) ist eine Röntgentechnik, die in Echtzeit Bewegungsabläufe im Körper darstellt, also eben z.B. den Schluckvorgang oder ein Zusammenklappen der Luftröhre (= Trachealkollaps).

Operationen im HNO-Bereich sind oft sehr komplex und müssen daher von speziell ausgebildeten und erfahrenen Chirurg*innen durchgeführt werden.

Um das bestmögliche Ergebnis für unsere Patienten zu erzielen, setzen wir wann immer möglich auf einen multidisziplinären Zugang - das heißt Expert*innen aus verschiedenen Bereichen arbeiten zusammen und erstellen einen individuellen Behandlungsplan. So werden z.B. bei Tumoren im HNO-Bereich neben Chirurg*innen auch Onkolog*innen miteinbezogen.

Für jede Operation sind Narkose und Schmerzmanagement unumgänglich (siehe Anästhesie und Schmerzmanagement). Aber keine Sorge – Ihr Haustier wird dabei natürlich von Anästhesist*innen und unserem erfahrenen tierärztlichen Personal überwacht. Im Normalfall können die Patienten am gleichen Tag noch nach Hause entlassen werden, nur in Ausnahmefällen kann es sein, dass eine stationäre Aufnahme über Nacht oder für einige Tage empfohlen wird. Das kann z.B. nach sehr großen und komplexen Operationen der Fall sein, bei denen die Patienten noch länger intensivmedizinisch überwacht werden müssen, bzw. wenn das Risiko für postoperative Komplikationen minimiert werden soll. Postoperative Komplikationen können z.B. Blutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen oder auch ein Aufbrechen der Nähte sein. Auch ein wirksames und individuell erstelltes Schmerzmanagement ist nach Operationen besonders wichtig – schmerzbedingtes Kratzen, Beißen oder Schlecken muss unbedingt vermieden werden.

Verfasser:

Monika Herold-Wagner