Über die Behandlung

Die Augenchirurgie ist ein Teilbereich der Augenheilkunde und umfasst chirurgische Behandlungen von Erkrankungen des Auges und der umliegenden Strukturen.

Beispiele für Augenchirurgie:

Operationen an den Lidern:

  • Korrektur von Lidfehlstellungen (siehe Entropium, Ektropium)
  • Entfernung von Tumoren an den Lidern 
  • Entfernung fehlstehender Wimpern: Wimpern, die am Auge reiben können Entzündungen der Bindehaut oder Hornhautverletzungen verursachen;

eine langfristige Entfernung ist nur mittels Kryo-oder Laserchirurgie möglich - Zupfen bringt nur eine kurzfristige Erleichterung, da die Haare wieder nachwachsen

  • Augenlid-Rekonstruktionen nach Verletzungen: damit sich keine Narben bilden, die an Auge und Hornhaut reiben können

Operationen an den Tränenkanälen:

  • Spülung oder Erweiterung von verstopften Tränenkanälen

Operationen an Bindehaut und Nickhaut:

  • Cherry-Eye OP: die vorgefallene Nickhautdrüse wird in eine operativ kreierte „Tasche“ in der Nickhaut gesteckt und vernäht; die Drüse sollte auf keinen Fall ganz entfernt werden, das kann zu einem Trockenen Auge führen (siehe Cherry Eye)
  • Nickhautschürze: Operationstechnik bei der die Nickhaut als Schutz über das Auge gezogen und temporär mit Nähten an der Bindehaut des Oberlides fixiert wird; das kann z.B. bei manchen Hornhautverletzungen oder einem Vorfall des Augapfels nötig sein

Operationen an der Hornhaut:

  • Hornhautnaht: nach Verletzungen, nach Glaukom- oder Kataraktoperationen oder nach einer Korneokonjunktivalen Verschiebeplastik; es werden hauchdünne Fäden verwendet
  • Keratektomie: chirurgische Entfernung von verändertem Hornhautgewebe, damit gesundes nachwachsen kann, z.B. bei schlecht heilenden Hornhautgeschwüren oder bestimmten Hornhauterkrankungen (Sequester, Dermoid)
  • Korneokonjunktivale Verschiebeplastik: Transplantation von einem Stück gesunder Hornhaut mit der daran befestigten Bindehaut auf einen Hornhautdefekt, v.a. bei tiefen Hornhautgeschwüren oder auch nach einer Keratektomie
  • Entfernung von Fremdkörpern in der Hornhaut 

Operationen an der Linse und am Augeninneren:

  • Katarakt-OP (Phakoemulsifikation): über einen kleinen Schnitt am Hornhautrand wird das getrübte Linsenmaterial mit einem Phakoemulsifikationsgerät zerkleinert und abgesaugt; anschließend wird eine künstliche Linse eingesetzt, damit das Tier nach der OP wieder scharf sehen kann und die Hornhaut wieder verschlossen; vor der OP sollten ein ERG und ein Augenultraschall durchgeführt werden
  • Linsenextraktion: über einen kleinen Schnitt in der Hornhaut wird die luxierte Linse mittels Phakoemulsifikation oder Kryoextraktion entfernt
  • Entfernung von Fremdkörpern im Auge oder Entfernung des Glaskörpers
  • Netzhautablösung: je nach Ausmaß der Netzhautschädigung gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, z.B. Fixierung mittels Laser, Auffüllung mit medizinischem Silikon oder Entfernung des Glaskörpers

Operationen an Augapfel und Augenhöhle:

  • Enukleation: bei einem erblindeten, irreparabel geschädigten und dauerhaft schmerzhaften Auge (z.B. bei Tumoren, behandlungsresistentem Glaukom oder nicht behandelbaren Augenverletzungen) kann das Entfernen des Augapfels die beste Lösung sein; 

der Augapfel und die dazugehörigen Muskeln werden entfernt und die Augenlider vernäht; die meisten Tiere kommen erstaunlich gut damit zurecht und fühlen sich oft sofort nach der Entfernung des schmerzhaften Auges deutlich wohler

  • Augapfelvorfall (Proptosis): der Augapfel fällt aus der Augenhöhle vor; kommt oft bei brachycephalen (kurzköpfigen) Rassen vor, die Ursache ist meist ein Trauma, in der Regel werden dabei auch der Sehnerv und die das Auge umgebenden Muskeln geschädigt und die Hornhaut trocknet aus; 

je nach Ausmaß der Schädigung kann versucht werden den Augapfel zu reponieren und das Auge temporär zu verschließen, andernfalls muss es entfernt werden

  • retrobulbärer Abszess: Ansammlung von Eiter hinter dem Auge, wodurch der Augapfel nach vorne gedrückt wird; oft durch Fremdkörper oder Zahnwurzelabszesse verursacht

Bei Augenoperationen werden oft auch kryochirurgische oder laserchirurgische Behandlungsmethoden eingesetzt:

Bei der Kryochirurgie wird Gewebe kontrolliert vereist und so unerwünschte Zellen zerstört. Im Bereich der Augenchirurgie wird sie z.B. angewendet um fehlwachsende Haare am Lidrand oder auf der Innenseite des Lides, die Auge und Hornhaut irritieren, oder gutartige Tumore an den Lidern zu entfernen. Meist wird flüssiger Stickstoff verwendet, der gezielt auf das Gewebe aufgebracht wird.

Auch Laser kann bei vielen Augenoperationen angewendet werden - er ist ein millimetergenaues Präzisionsinstrument das z.B. für Augenlidkorrekturen oder zur Entfernung von fehlwachsenden Wimpern verwendet werden kann. Aber auch bei einem Glaukom kann er eingesetzt werden, um entweder die Flüssigkeitsableitung im Auge zu fördern oder die Produktion des Kammerwassers zu unterbinden und so den inneren Augendruck zu senken. Irismelanome können bei geeigneten Fällen gewebeschonend mit dem Laser entfernt werden und kleinere Netzhausablösungen können mit dem Laser behandelt und stabilisiert werden und so oft eine vollständige Netzhautablösung und Erblinden verhindert werden. 

So funktionierts:

Manche dieser chirurgischen Eingriffe können von erfahrenen Tierärzt*innen in der Allgemeinpraxis durchgeführt werden, aber für kompliziertere Operationen sind eine spezifische Ausbildung und spezialisierte ophthalmologische Instrumente und Geräte nötig.

Da bei den meisten Augenoperationen – vor allem im Bereich der Hornhaut und im Inneren des Auges - präzisionsgenaues Arbeiten wesentlich ist, wird zur Vergrößerung z.B. ein spezielles Operationsmikroskop benötigt. Aber auch Dioden- oder CO2-Laser und eine Elektroretinogramm-Ausrüstung gehören nicht zur Grundausstattung einer Allgemeinpraxis.

Operationen an der Hornhaut, der Linse und im Inneren des Auges müssen bis auf wenige Ausnahmen von Spezialist*innen im Bereich der Veterinär-Ophthalmologie durchgeführt werden.

 

Alle Augenoperationen werden in Narkose durchgeführt werden, da die Tiere absolut still liegen müssen und sich Augen und Lider nicht bewegen dürfen.

Aber keine Sorge – Ihr Haustier wird dabei natürlich von Anästhesist*innen und unserem erfahrenen tierärztlichen Personal überwacht. Im Normalfall können die Patienten am gleichen Tag noch nach Hause entlassen werden.

Ein wirksames und individuell erstelltes Schmerzmanagement ist nach Augen-Operationen besonders wichtig – schmerzbedingtes Kratzen oder Reiben am Auge muss unbedingt vermieden werden. Aus diesem Grund kann es auch sein, dass Ihr Tier für einige Tage einen Halskragen tragen muss. 

Verfasserin:

Monika Herold-Wagner