Allgemein
Diagnose und Therapie von Erkrankungen des Auges und seiner Umgebung.
7 Standorte können Ihnen dabei helfen

Über die Behandlung
Die Augenheilkunde, bzw. Ophthalmologie ist ein Teilbereich der Veterinärmedizin, der sich mit der Diagnose und der Behandlung von Erkrankungen des Auges und der umliegenden Strukturen beschäftigt. Es können einerseits der Augapfel selbst (also alle Teile des Auges, wie die Hornhaut, die vordere und die hintere Augenkammer, die Iris, die Linse oder die Netzhaut), aber auch außerhalb des Augapfels liegende Strukturen wie der Sehnerv, die Augenhöhle, die Augenlider, die Bindehäute, die Augenmuskeln oder die Tränendrüsen betroffen sein.
Häufige ophthalmologische Erkrankungen bei unseren Haustieren:
• Katarakt (Grauer Star): Trübung der Linse, die zu verschwommenem Sehen oder Blindheit führen kann
Ursache: erblich, altersbedingt, Verletzungen des Auges oder Krankheiten wie Diabetes mellitus
Symptome: grau-weißes Aussehen der Pupille, bei eingeschränktem Sehvermögen oder Blindheit eventuell Laufen in Gegenstände oder Unsicherheiten vor allem in ungewohnter oder schlecht beleuchteter Umgebung
Behandlung: es gibt keine medikamentöse Behandlung, eine operative Entfernung der Linse kann nötig sein, ist allerdings nicht in allen Fällen möglich; wenn die Katarakt chronische Entzündungen, Schmerzen oder ein Glaukom verursacht, kann auch eine Entfernung des Auges (siehe Enukleation) nötig sein
❗️Achtung: nicht jede trübe Linse bedeutet es ist eine Katarakt, es gibt auch altersbedingte Trübungen der Linse, die nicht zu einer Einschränkung des Sehvermögens führen
• Glaukom (Grüner Star): erhöhter Druck im Inneren des Auges, der Schäden und Veränderungen an Netzhaut und Sehnerv verursachen kann
Ursache: vererbt, bzw. Störungen des Flüssigkeitsabtransportes im Auge (z.B. durch Entzündungen, Blutungen, Erkrankungen der Linse oder Tumore im Auge)
Symptome: „rotes Auge“ (die Bindehäute und die weiße Augenhaut sind gerötet), geweitete Pupille, trübe oder bläulich verfärbt wirkende Hornhaut, sehr schmerzhaft, ev. Vergrößerung und „Hervorstehen“ des Augapfels
Behandlung: Analgetika, Augentropfen, die die Flüssigkeitsproduktion im Auge drosseln und deren Abtransport fördern; in fortgeschrittenen oder sehr schweren Fällen kann eine OP nötig sein, aber: der Druck im Auge kann auch nach einer OP wieder steigen und regelmäßige Nachuntersuchungen sind nötig; wenn das Auge trotz aller Bemühungen erblindet und schmerzhaft bleibt, kann eine Entfernung (Enukleation) nötig sein
❗️ Achtung: ein akutes Glaukom ist immer ein Notfall!
• Hornhautulkus (Hornhautgeschwür): oberflächliche (seltener auch tieferreichende) Hornhautschädigung (die Hornhaut ist der durchsichtige vordere Teil des Auges)
Ursache: Verletzungen, Kratzer oder Reiben am Auge, Infektionen, augenreizende Substanzen (Staub, Rauchgase oder ähnliches), Augenliderkrankungen, bei denen das Lid oder Wimpern am Auge reiben, Trockenes Auge
Symptome: sehr schmerzhaft, am Auge Reiben, Zusammenkneifen der Augen, trübes Aussehen der Hornhaut, ev. sind auch winzige Blutgefäße sichtbar, die über die Hornhaut wachsen, Bindehautentzündungen
❗️ Achtung: bei tiefen Geschwüren besteht die Gefahr, dass die innerste Schicht der Hornhaut durchbricht, das Auge kollabiert und unwiderruflich geschädigt wird
Behandlung: Schmerzmittel, antibiotische Augentropfen oder -salbe, Serumaugentropfen (werden aus Blut gewonnen und enthalten Nährstoffe und Proteine, die die Heilung der Hornhaut fördern), Halskragen (um weiteres Reiben am Auge zu verhindern), manchmal kann bei tieferen oder schlecht heilenden Geschwüren eine OP nötig sein (siehe Operationen an der Hornhaut)
• Konjunktivitis (Bindehautentzündung): Entzündung der Lidbindehäute
Ursache: Infektionen, Allergien, Keratokonjunktivitis sicca (Trockenes Auge), Erkrankungen der Lider (Entropium, Ektropium), andere Augenerkrankungen wie Glaukom oder Hornhautulkus, augenreizende Substanzen (Rauchgase, Staub, usw.)
Symptome: gerötete und geschwollene Lidbindehäute (diese sind im Normalfall blassrosa), Augenausfluss, Zusammenkneifen der Augen
Behandlung: Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, in der Regel mit topischen entzündungshemmenden und/oder antibiotischen Medikamenten
• Keratokonjunktivitis sicca (Trockenes Auge): zu geringe Produktion von Tränenflüssigkeit in den Tränendrüsen - diese bildet einen Schutzfilm der das Äußere des Auges (Hornhaut und Bindehäute) befeuchtet, ein Zuwenig an Tränenflüssigkeit kann zu bakteriellen Infektionen oder Hornhautgeschwüren führen
Ursache: angeborener Tränendrüsendefekt, autoimmunbedingte Schädigung der Tränendrüsen, Beeinträchtigung der Tränenproduktion durch Infektionen, Medikamente oder andere Erkrankungen
Symptome: gerötete Bindehäute, juckendes Auge, Augenreiben, Zusammenkneifen der Augen, dickflüssiger gelblicher Augenausfluss
Behandlung: Augensalben mit immunsupprimierenden Wirkstoffen und/oder künstliche Tränenflüssigkeit
• Tumore: können sich generell in jedem Teil des Auges oder seiner Umgebung entwickeln; können gut- oder bösartig sein, am häufigsten sind Tumore der Augenlider (meist gutartige, ausgehend von den Meibaum´schen Drüsen am Lidrand), aber auch Iris-Melanome und Tumore in der Augenhöhle kommen nicht so selten vor
Symptome: je nachdem wo sich der Tumor befindet, z.B. Schwellungen, Beeinträchtigung des Sehvermögens, Entzündungen, usw.
Behandlung: abhängig von der Art und Lage des Tumors - z.B. chirurgische Entfernung des Tumors, Entfernung des Auges (Enukleation), Chemotherapie oder Strahlentherapie
Erkrankungen der Augenlider:
• Entropium (Rolllid): eine Augenlidfehlstellung, bei der sich meist das untere Lid nach innen rollt, wodurch die Haare an der Außenseite des Lides am Auge reiben; oft bei Welpen und jungen Hunden
Ursache: bei vielen Rassen angeboren
Symptome: wässriger Augenausfluss, Zusammenkneifen der Augen, Schmerzen, ev. Hornhautpigmentierungen durch das chronische Reiben, Hornhautgeschwüre
Behandlung: chirurgische Korrektur – manchmal sind mehrere Korrekturen nötig, da eine Überkorrektur zu einem ein Hängelid führen könnte und das muss unbedingt vermieden werden; falls die Tiere noch zu jung für eine solche Operation sind (Auge und Kopf sollten ausgewachsen sein) können temporäre Nähte gesetzt werden oder Hyaluronsäure in das Lid injiziert werden
• Ektropium (Hängelid): eine Augenlidfehlstellung, bei der sich das untere Lid nach außen rollt, wodurch die Lidbindehaut nach außen gekehrt wird und exponiert ist; das kann zum Austrocknen der Bindehaut und Entzündungen führen, die Lider können oft nicht mehr ordentlich geschlossen werden und die Hornhaut kann sich entzünden (Keratitis)
Ursache: angeboren, Gesichtsnervenlähmung, Schilddrüsenunterfunktion oder die Überkorrektur eines Entropiums
Symptome: herunterhängendes unteres Augenlid, dickflüssiger Augenausfluss, Bindehautentzündung, Zusammenkneifen der Augen, Schmerzen, ev. Hornhautgeschwüre
Behandlung: milde Ausprägungen können ev. mit künstlicher Tränenflüssigkeit behandelt werden, aber meist ist eine chirurgische Korrektur nötig
❗️ Achtung: manchmal sind mehrere Korrekturen nötig, eine Überkorrektur kann sonst zu einem Rolllid (Entropium) führen und das muss unbedingt vermieden werden
• Cherry Eye (Vorfall der Nickhautdrüse): beim „Cherry Eye“ kommt es zum Vorfall der innerhalb des 3. Augenlides (= Nickhaut) gelegenen Tränendrüse; die Nickhaut liegt im inneren Augenwinkel und dient einerseits als zusätzlicher Schutz für das Auge, andererseits produziert die darin gelegene Drüse einen wesentlichen Anteil des Tränenfilms, der das Auge befeuchtet und schützt
Ursache: manche Rassen sind prädisponiert dafür, z.B. Bulldoggen, Shi Tzus, Möpse oder Burma- und Perserkatzen
Symptome: Juckreiz und Reiben am Auge, kann zu einem Trockenen Auge führen,
die vorgefallene und entzündete Nickhautdrüse ist als runde, rote, ca. erbsengroße Vorwölbung im inneren Augenwinkel sichtbar, was entfernt an eine kleine Kirsche erinnert – deshalb der Name „Cherry Eye“
Behandlung: eine rasche OP ist unumgänglich, bei der häufigsten Operationsmethode wird die vorgefallene Drüse in eine operativ kreierte „Tasche“ in der Nickhaut gesteckt und vernäht, bis zur Operation muss das Auge mit künstlicher Tränenflüssigkeit befeuchtet werden
So funktionierts:
Unsere Tierärzt*innen werden zuerst eine genaue Anamnese erheben und Ihnen Fragen zur Vorgeschichte stellen – z.B. welche Symptome zeigt das Tier genau und wann sind sie zum ersten Mal aufgetreten?
Dann wird das Auge und seine Umgebung gründlich untersucht (Details siehe Augenuntersuchung), alle Befunde mit Ihnen besprochen und ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Viele Augenerkrankungen können von Ihrem tierärztlichen Team in der Allgemeinpraxis diagnostiziert und behandelt werden, aber für kompliziertere Erkrankungen oder spezialisierte Behandlungen kann eine Überweisung zu Spezialist*innen im Bereich der Veterinär-Ophthalmologie nötig oder empfehlenswert sein.
Auch eine zur Zucht nötige Untersuchung auf vererbbare Augenerkrankungen bei bestimmten Hunderassen kann nur von ECVO/DOK zertifizierten Ophthalmolog*innen durchgeführt werden.
Rassen wie Basset, Border Collie, Magyar Viszla, Samojede oder Siberian Husky müssen z.B. bevor sie zur Zucht eingesetzt werden können auf eine erbliche Form des Glaukoms untersucht werden. Und wieder andere Rassen müssen im Rahmen so einer Zuchtuntersuchung auf Progressive Retinaatrophie (PRA), erbliche Katarakt (Linsentrübung) oder andere vererbbare Augenerkrankungen untersucht werden.
Verfasserin:
Monika Herold-Wagner