Über die Behandlung

Die Onkologie ist ein Teilbereich der Veterinärmedizin, der sich mit Diagnose, Therapie und dem längerfristigen Management von Krebserkrankungen beschäftigt.

Der erste Schritt bei Verdacht auf eine Krebserkrankung ist herauszufinden um welche Art von Tumor es sich handelt - das ist auch wichtig, damit die weitere Vorgehensweise festgelegt werden kann und mehr zur Prognose ausgesagt werden kann.

Häufig vorkommende Tumore bei Hunden und Katzen:

Lipom: gutartiger Fettgewebstumor

Lymphom: bösartige Erkrankung des Lymphsystems, ausgehend von den Lymphozyten

Fibrosarkom: bösartiger Tumor des Bindegewebes

Mammatumor: gut- oder bösartiger Tumor des Milchdrüsengewebes, metastasiert häufig

Mastzelltumor: bösartiger Tumor der Haut, kann metastasieren

Melanom: gut- oder bösartiger Tumor der Haut oder in der Maulhöhle

Osteosarkom: bösartiger Knochentumor, kann metastasieren

Tumore der Abdominalorgane: können gut- oder bösartig sein, z.B. Leber, Milz

Generell können Tumore in gutartige (benigne) und bösartige (maligne) unterschieden werden. Diese Einteilung ist oft aber erst nach einer histopathologischen Untersuchung einer Biopsie (= die Entfernung eines Gewebestückes zur weiteren Untersuchung) oder des gesamten entfernten Gewächses möglich.

In manchen Fällen kann der Verdacht eines bösartigen Tumors aber auch schon nach der Untersuchung einer Nadelbiopsie (Feinnadelaspirationsbiopsie) in der Klinik ausgesprochen werden.

Bei vielen Tumorarten kann eine histopathologische Untersuchung auch den „Grad“ der Differenzierung des Tumorgewebes bestimmen – also die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Zellen. Üblicherweise erfolgt die Einteilung in Grad I, II oder III, bzw. in gering-, mittel- oder hochgradig. Dieses sogenannte „Grading“ liefert uns dann Informationen darüber, wie aggressiv sich dieser Tumor verhalten wird.

Falls es sich um einen malignen Tumor handelt, sollte zusätzlich auch ein sogenanntes „Staging“ (also eine Stadienbestimmung) durchgeführt werden. Das bedeutet, es wird das Ausmaß der Tumorerkrankung festgestellt und sie dann „eingestuft“. Dazu werden die Größe und Lokalisation des Tumors beurteilt und untersucht, ob es ein schön abgegrenzter Tumor oder ob er stark infiltrativ in das umgebende Gewebe einwächst – aber auch, ob der Tumor schon in andere Organe (z.B. Lunge oder Leber) oder die umliegenden Lymphknoten metastasiert hat.

❗️Metastasen sind von einem sogenannten Primärtumor ausgehende Tochtergeschwulste.

Je nach Art des Tumors können sich diese entweder in den benachbarten Lymphknoten oder in weiter entfernten Organen finden.

Bei äußerlich liegenden Tumoren können Größe und Lokalisation relativ einfach im Rahmen einer klinischen Untersuchung festgestellt werden und auch die umliegenden äußerlichen Lymphknoten auf eine Vergrößerung abgetastet werden. Im Zuge dessen können eventuell auch schon weitere diagnostische und „einstufende“ Staging-Maßnahmen wie Röntgen, Ultraschall der Bauchorgane oder eine Nadelbiopsie für zytologische Untersuchungen durchgeführt werden.

Bei Tumoren der inneren Organe oder der Knochen ist bildgebende Diagnostik unumgänglich, um das Ausmaß der Veränderungen oder das Vorhandensein von Metastasen beurteilen und eventuelle Operationen planen zu können. Dazu gehören Röntgenaufnahmen, aber vor allem dreidimensionale bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanz- und die Computertomographie.

❗️Grading und Staging sind für die Beurteilung des Gesamtbildes einer Krebserkrankung wichtig, um Aussagen über Prognose und Behandlungsoptionen treffen zu können.

Nachdem die Art, das Ausmaß und das Stadium eines Tumors bestimmt wurden, kann eine erste Prognose in Bezug auf das zu erwartende „Verhalten“ des Tumors und seine Auswirkung auf Lebensqualität und Lebenserwartung des Patienten abgegeben werden.

Anhand all dieser Ergebnisse kann dann ein individueller Behandlungsplan für Ihr Tier erstellt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen:

  1. Tumorchirurgie
  2. Chemotherapie
  3. Strahlentherapie
  4. Palliativtherapie

In manchen Fällen ist die Entfernung des Tumors oder des betroffenen Organes heilend (kurativ), es kann aber zusätzlich zu einer Tumorentfernung auch noch eine Chemotherapie und/oder eine Bestrahlung nötig bzw. empfehlenswert sein, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Die Ergebnisse der Behandlungen können von Patient zu Patient variieren und sind von verschiedenen Faktoren abhängig – z.B. Tumorart, Ausmaß und Grad der Krebserkrankung, Begleitsymptome der Tumorerkrankung, sowie Alter, Immunstatus und eventuelle andere Erkrankungen des erkrankten Tieres.

Nicht immer ist also eine Operation, eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung sinnvoll oder möglich und alternativ können andere Behandlungsansätze oder eine palliative Behandlung empfehlenswert sein (siehe Palliativtherapie), um die Lebensqualität unserer Patienten zu verbessern.

Welche Optionen es für Ihr an Krebs erkranktes Tier gibt, kann Ihr tierärztliches Team mit Ihnen besprechen und Sie, falls nötig, auch zu einem unserer Onkologie-Spezialist*innen überweisen. Diese sind immer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft in Bezug auf Diagnose, Behandlung und Langzeitmanagement von Tieren mit Krebserkrankungen und verfügen über eine reichhaltige Erfahrung in diesem Bereich.

Sie können Sie daher bestmöglich über alle Behandlungsmöglichkeiten, sowie etwaige Risiken und Nebenwirkungen aufklären und natürlich auch alle Ihre Fragen beantworten.

Verfasser:

Monika Herold-Wagner